Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. wurde Südwestdeutschland durch das Römische Reich in Besitz genommen. Es entstanden Kastelle, Städte und Gutshöfe (Villae rusticae). Am Hang über dem heutigen Ort Stein wurde dieser Gutshof gegründet. Um 260 n. Chr. hat sich das Römische Reich dann aus dem rechtsrheinischen Gebiet zurückgezogen. Auch in Stein verließen die Bewohner die Anlage. Der Rückzug erfolgte offensichtlich planvoll, denn Zerstörungen, z.B. Brände, konnten nicht festgestellt werden. Auch die relativ geringe Anzahl von Funden deutet darauf hin. Die Anlage zerfiel nach und nach. Eine nachrömische sporadische Nutzung durch Alemannen ist nachgewiesen. Glücklicherweise wurde die Anlage bis in die heutige Zeit nicht überbaut . Es fand lediglich ein „Steinraub“ an der Oberfläche statt. Unter dem Boden sind die Reste aber weitgehend ungestört vorhanden. Für das Landesamt für Denkmalpflege ist die Anlage daher eine Örtlichkeit von herausragender Bedeutung für die Archäologie im Lande.


Die Anlage beeindruckt schon durch ihre enorme Größe. Die Frontseite des Haupthauses ist ca. 46 m breit. Die Länge der Umfassungsmauer, die teilweise rekonstruiert wurde, beträgt ca. 240 m in Nord-Süd-Richtung und ca. 140 m in der West-Ost-Richtung . Das ergibt eine umschlossene Fläche von etwa 4 Hektar. Andere, bisher gefundene Villae Rusticae sind deutlich kleiner. Zudem weisen Erkenntnisse der letzten Jahre darauf hin, dass diese Hofmauer in der letzten Phase gebaut wurde und die vorherige Ausdehnung verringerte. Die tatsächliche Gesamtfläche war demnach  vermutlich erheblich größer.


Ist das noch eine der typischen provinzialrömischen "Villae Rusticae", von denen im Raum Baden-Württemberg über 1.500 bekannt sind? Auch den Tempelbezirk, der außerhalb der Hofmauer liegt, gibt es in der Region sonst nicht. Könnte es die Landvilla eines reichen, römischen Rottenburger Römers  gewesen sein? Rottenburg war das ca. 14 km entfernte römische "Sumelocenna". Oder war es ein Verwaltungssitz (staatliche Domäne) für die umgebenden Ländereien? Wir wissen es nicht. Vielleicht geben weitere archäologoische Forschungen eine Antwort.