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Die Entdeckung

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Entdeckung 1973
Entdeckung 1973

Auf der Suche nach einem mittelalterlichen Weiler entdeckte der Bürgermeister der Gemeinde Stein, Gerd Schollian, im Jahr 1973 im Wald "Tuffelbach" die ersten Mauern. Nach weiteren Sondagen wurde klar, dass es sich um die Reste eines römischen Gutshofes, einer sogenannten Villa Rustica, handelt. Das zuständige Landesdenkmalamt in Tübingen führte in den Jahren 1978 -1981 mehrmonatige Ausgrabungen durch, die das Haupt- und das Badegebäude umfassten.

Seit 1992 werden die Ausgrabungen weitergeführt: Bis 1995 untersuchte man den zur Gutsanlage gehörigen Tempelbezirk. Die anschliessenden Arbeiten konzentrierten sich auf ein Mühlengebäude, welches bis 1999 vollständig ausgegraben war. Anschliessend konnte ein Speicher erfasst werden. Seit dem Jahr 2000 werden die Ausgrabungen in nördlicher Richtung fortgesetzt. Durch Sondagen ist ausserdem der Verlauf der Hofmauer zum grössten Teil bekannt. (Detaillierte Berichte zu diesen Grabungen finden Sie unter dem Menüpunkt 'Forschung')

Gesamtplan
Gesamtplan

Die Hofmauer umschloss ein längsrechteckiges Areal mit einer Grösse von ca. 4 ha. Zentral lag das Hauptgebäude mit einem Bad (A + B). Weiter südlich ist durch Sondagen ein weiteres Bad bekannt. Noch ist fraglich, ob dieses zweite Bad zeitgleich mit dem ersten bestand und wenn ja, von wem es benutzt wurde.
Randlich an der Umfassungsmauer befanden sich die Wirtschaftsgebäude. Ausser dem bisher ausgegrabenen Mühlengebäude (C) und dem Speicher (E) sind durch Sondagen mindestens zehn weitere Gebäude nachgewiesen. Für die Zukunft ist geplant, diese soweit wie möglich auszugraben.

Detailplan
Detailplan

Die Villa rustica entstand am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. und wurde im Laufe der nächsten 100 Jahre in mehreren Schritten zu einer aufwändigen Anlage ausgebaut. Als besonderen architektonischen Akzent verband man das Haupthaus mit dem östlich davon gelegenen Bad durch einen Säulengang. Dadurch vergrösserte sich die Hauptansichtsseite um das Doppelte und muss vom Tal aus einen beeindruckenden Anblick geboten haben.

Ebenfalls gegen Ende des zweiten Jahrhunderts wurde südwestlich ausserhalb der Hofmauer der Tempelbezirk (D) gebaut und dieses Areal dann in die Gutsanlage integriert. Das Anwesen wurde von seinen Bewohnern um die Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr. im Zuge der zunehmenden alamannischen Übergriffe verlassen und zerfiel.

Übersicht
Gesamtansicht, Stand 2007

Das Hauptgebäude ist eine sogenannte Portikusvilla mit Eckrisaliten. Kennzeichend sind die beiden aus der Front ragenden Ecktürme, die mit einem offenen Säulengang, der Portikus, verbunden sind. An der rückwärtigen Seite des Hauses schliesst sich ein grosser Innenhof an, um den sich verschiedene Zimmer gruppieren. Dabei lassen sich mittels ausgegrabener Herdstellen Küchen und mit Unterbodenheizung ausgestattete Räume unterscheiden.

Der bei Gutshöfen selten nachgewiesene Tempelbezirk und die ungewöhnlich reiche Ausstattung des Hauptgebäudes lassen an einer rein landwirtschaftlichen Nutzung der Anlage Zweifel aufkommen, zumal die Bodenqualität in dieser Region nicht sehr gut ist.

Karte
Die Besiedlung der Umgebung
in römischer Zeit

Im Zusammenhang mit der im Tal durchführenden Römerstrasse, die das Kastelldorf von Burladingen mit Rottenburg verbindet, wäre eine an die Gutsanlage angegliederte Strassenstation oder Herberge denkbar. Zur Klärung der Frage nach der Funktion der Villa rustica von Hechingen-Stein ist die möglichst vollständige Ausgrabung der Anlage notwendig.

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Die Rekonstruktion und das Museum